Namensartikel des US-Botschafters zu Afghanistan Philip D. Murphy,

Namensartikel des US-Botschafters Philip D. Murphy zu Afghanistan
Berlin – (AD) – Nachfolgend veröffentlichen wir einen Namensartikel von Botschafter Philip D. Murphy, der in leicht geänderter Fassung zunächst am 28. Januar 2011 im Kölner Stadtanzeiger und im Münchner Merkur erschien.

Anfang 2010 bin ich nach Afghanistan gereist, um mir persönlich ein Bild von unserem Einsatz dort zu machen, sowohl hinsichtlich der erzielten Fortschritte als auch der noch bestehenden Herausforderungen.

Vergangene Woche kehrte ich auf Einladung der deutschen Bundeswehr dorthin zurück, um mir die derzeitige Lage anzusehen.

Ich wollte mir einen Einblick in die aktuellen Maßnahmen im Bereich der zivilen Entwicklung, der Sicherheitsausbildung und die gemeinsamen Operationen im von Deutschland geführten Regionalkommando Nord verschaffen.

Die Veränderungen, die es innerhalb nur eines Jahres gab, fand ich wirklich erstaunlich. Es muss noch viel getan werden, aber ich bin davon überzeugt, dass wir die richtige Richtung eingeschlagen haben.

In Mazar-i Sharif habe ich eine Lehrerausbildungsstätte besucht, die von Deutschland gebaut wurde.

Landesweit gibt es 44 dieser Einrichtungen, in denen die kommende Generation afghanischer Lehrer ausgebildet wird.

Sechzig Prozent der Studenten dieser Ausbildungsstätte, die erst im April eröffnet wurde, sind Frauen und ein Viertel kommt von außerhalb Mazar-i Sharifs.

Das Interesse afghanischer Frauen für den Beruf der Lehrerin ist so groß, dass die Einrichtung im vergangenen Jahr mehr als 550 Bewerbungen für die 150 Wohnheimplätze für Frauen erhielt.

Vor zehn Jahren konnten Mädchen in Afghanistan nicht einmal zur Schule gehen, geschweige denn selbst Lehrerin werden.

Die Stärkung der Rechte von Frauen in Afghanistan ist ein zutiefst ermutigendes Zeichen für Fortschritt.

Ein Leutnant der US-Armee und Mitglied eines der FET der ISAF (Female Engagement Teams) erzählte mir, dass sich afghanische Frauen in ihrem Land zunehmend Gehör verschaffen und dass die ISAF sich in ihrem Einsatzgebiet verstärkt bemüht, Kontakt mit Frauengruppen aufzunehmen. Sie berichtete von einer Frau, die sie zum Tee eingeladen hatte. Es stießen immer mehr Frauen dazu, bis schließlich Dutzende Frauen zusammensaßen und von ihren Sorgen erzählten. Wenn Frauen mehr Mitverantwortung bekommen, sind ihre Kinder gesünder und besser ausgebildet – was zu einem weitreichenden positiven gesellschaftlichen Wandel führen kann.

Ich bin nach Hairatan gereist, wo die „Brücke der Freundschaft“ den Fluss Amu Darya überquert und Afghanistan via Eisenbahn mit Mittelasien verbindet.

Hairatan boomt. ISAF-Partner, darunter auch Deutschland, haben beim Aufbau von Infrastrukturprojekten geholfen, die für die wirtschaftliche Zukunft des Regionalkommandos Nord von großer Bedeutung sind: Dazu zählt ein geschäftiger Hafen, über den Güter per Container und mit Lastkähnen verschifft werden, Tanks für die Lagerung von Treibstoff und ein Rangierbahnhof sowie die Verlängerung der Eisenbahnlinie von Hairatan, dank der Güter direkt in die Randgebiete von Mazar-i Sharif gebracht werden können. Es geht voran in Afghanistan: Die Afghanen eröffnen Geschäfte und nutzen diese wichtige Infrastruktur, um in einem Land, das Jahrzehnte in Armut gelebt hat, ein sich selbst tragendes Wirtschaftswachstum anzustoßen.

Wo ich auch hinging, ich war beeindruckt vom Ausmaß der Zusammenarbeit zwischen deutschen und amerikanischen Soldaten.

Unter dem Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Hans-Werner Fritz, ist Camp Marmal zu einem Ort geworden, an dem ISAF-Soldaten aus 17 verschiedenen Ländern tagtäglich ein effektives Bündnis aufbauen und erhalten.

Die US-Fliegerbrigade, deren Piloten im vergangenen Oktober bei der Rettung verwundeter Bundeswehrsoldaten unter Beschuss gerieten, ist nun dem Kommando von General Fritz unterstellt und sitzt in einem Gebäude, das es letztes Jahr noch gar nicht gab. Sie bietet dem Regionalkommando Nord Unterstützung aus der Luft und bei Rettungsflügen. Jeder deutsche Soldat, mit dem ich sprach, versicherte mir, wie sehr er die Hilfe der US-Kameraden im Regionalkommando Nord schätzte. Und ausnahmslos alle amerikanischen Soldaten brachten ihre Dankbarkeit für die herzliche Begrüßung sowie die außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den Soldaten der Bundeswehr zum Ausdruck.

Wir stehen weiterhin vor ernsten Herausforderungen in Afghanistan, aber ich bin zuversichtlich, dass wir der afghanischen Bevölkerung gemeinsam helfen können, die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit, Regierungsführung und sozioökonomische Entwicklung zu übernehmen. Im Norden gibt es noch immer Aufständische, die versuchen, ihre Landsleute mit Gewalt einzuschüchtern und Unruhe zu schüren. Darüber hinaus muss die afghanische Regierung auch noch stärker gegen Korruption vorgehen. Aber in Camp Shaheen habe ich in den 1.400 neuen afghanischen Soldaten, die unter Jubelrufen an einem bitterkalten Januarmorgen ihren Eid auf die Verfassung und die Verteidigung des Landes ablegten, aber auch das neue Gesicht Afghanistans gesehen.

Nach meinem Besuch bin ich nun noch überzeugter als jemals zuvor, dass unsere gemeinsamen Bemühungen Afghanistan grundlegend verändern. Ich habe wieder und wieder gehört, wie Afghanen über den Fortschritt in ihrem Land sprechen und Deutschland, den Vereinigten Staaten und anderen ISAF-Ländern dafür danken, dass sie diesen Fortschritt ermöglichen. Ich weiß, dass die Familien in Deutschland, die Angehörige verloren haben oder deren Abwesenheit während einer langen und gefährlichen Stationierung erdulden müssen, einen schmerzlichen Preis für den Einsatz in Afghanistan zahlen. Im Namen der amerikanischen Bevölkerung, die Sie bei diesen Bemühungen als Verbündete unterstützt, danke ich Ihnen für die Opfer, die Sie bringen. Ich habe im Regionalkommando Nord echte Fortschritte gesehen, und sie sind zutiefst ermutigend. Das ist etwas, auf das nicht nur die Bundeswehr, sondern die gesamte deutsche Bevölkerung stolz sein kann und sollte.

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